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Es war einmal ein deutscher Badmintonschiedsrichter, der jeweils einen Teil des Jahres in Uganda verbrachte. Eines Tages las er in der Tageszeitung, dass am nächsten Tag die ugandischen Badminton-Meisterschaften stattfinden sollen. Dummerweise hatte er aber da keine Zeit, nahm sich aber fest vor, sich dieses Ereignis im nächsten Jahr nicht entgehen zu lassen.


So kam es, dass er noch im Dezember des Jahres 2007 Kontakt zum ugandischen Cheftrainer aufnahm und ihm anbot, als Schiedsrichter bei den nächsten Meisterschaften mitzuwirken.

Und dann ging alles ganz schnell. Besagter Cheftrainer fackelte nicht lange, sondern erklärte unserem verdutzten Schiri, dass im Februar die ersten internationalen Meisterschaften, die Uganda International Badminton Championships, als vom Weltverband BWF offiziell genehmigtes internationales Turnier stattfinden und unser Schiri der Referee sein werde und vorher noch schnell einen Lehrgang für internationale Schiedsrichter abhalten solle.

Nun war unser Schiri, nennen wir ihn Herbert, früher mal einige Zeit Mannschaftsführer der 3. Mannschaft des 1. BC Nürnberg, dachte also, chaotischer könne es eigentlich gar nicht kommen, aber es kam chaotischer.

Immerhin gab es für den Lehrgang einen Unterrichtsraum mit Tafel, ab dem zweiten Tag sogar mit Kreide - die hatte einer der Teilnehmer, von Beruf Lehrer, in seiner Schule abgezweigt - doch sonst war die didaktische Seite ein Komplettausfall. Nicht einmal die vorbereiteten Skripte mit Regelwerk und sonstigen Vorschriften konnten ausgegeben werden, weil dem Drucker leider der Toner ausgegangen war und eine Ersatzbeschaffung daran scheiterte, dass sich niemand zuständig fühlte.

Sehr interessant auch die Auslosung. Unser Herbert war es gewohnt, dass die Auslosung von der Turnierleitung vorgenommen wird und er nur über evtl. Einsprüche zu entscheiden hatte. Ganz anders in Uganda. Natürlich gab es keine Turniersoftware, mit der man so etwas elegant hätte lösen können. Vielmehr bekam unser frisch gebackener internationaler Referee die Listen der Teilnehmer in den einzelnen Disziplinen und eine Handvoll Chips mit Nummern drauf in die Hand gedrückt: so nun mach mal. Nach etwas holprigem Start und mit Unterstützung der anwesenden ausländischen Spieler ist aber dann doch so etwas wie ein Turnierbaum entstanden, bei dem allerdings nicht alle Vorgaben der Wettbewerbsbestimmungen eingehalten waren, was aber ohnehin nicht möglich gewesen wäre. Daher gab es dann auch einige Proteste am ersten Turniertag, die unser Referee aber souverän niederbügelte - mit einem ganz schlechten Gewissen.

Irgendwie ging das Turnier dann auch zu Ende mit einer Grillparty im renommierten Kampala Club, auch die Protestler hatten sich beruhigt, nachdem sie ihre sportlichen Ziele doch noch erreicht hatten. Es ging ja schließlich um was: Weltranglistenpunkte, die für die Olympia-Qualifikation 2008 wichtig waren.

MTNArena
Finaltag bei den Uganda International 2014 in der MTN Arena, Kampala


In den Folgejahren war zwar die Auslosung und die Zeitplanung Dank der mittlerweile eingesetzten Turniersoftware wesentlich besser, dafür musste man in eine Halle umziehen, die eigentlich eher für Theater, Hochzeiten, Gottesdienste usw. gebaut worden war. Auf drei Feldern mit Terrazzo-Boden bei spärlichem Licht hatten die Spieler jede Menge Gründe für Beschwerden, da war aber der Referee völlig unschuldig und konnte sie nur an den Ausrichter verweisen - der natürlich auch nichts ändern konnte.

Trotzdem bekam Uganda für das Jahr 2010 eine Mammut-Veranstaltung übertragen: Die Africa Junior Championships (U18), die Africa Senior Championships, die Thomas- and Uber-Cups Qualifikation für Afrika und zum Abschluss noch die Uganda International; zwei Wochen Badminton von morgens bis abends. Natürlich ging auch da nicht alles glatt. So war z. B. noch am Vorabend des ersten Spieltages der Thomas- and Uber-Cups nicht klar, ob das Team aus Burundi tatsächlich kommt. Gerüchteweise verlautete, sie wären wohl schon an der ugandischen Grenze. Sie sind dann tatsächlich irgendwann in der Morgendämmerung an der Halle angekommen und haben auch gespielt.

Ab dem Jahr 2012 hat dann die Badminton Confederation of Africa die Auslosung der Uganda International übernommen mit dem Ergebnis, dass einige Disziplinen von unserem Referee erneut ausgelost werden mussten, weil bei der Premiere einige Vorgaben nicht beachtet worden waren, aber schon 2013 hat es besser geklappt. 2012 waren dann auch zum ersten Mal alle Kontinente beim Turnier vertreten, man merkte eben wieder die Olympia-Qualifikation.

Über die Jahre haben sich auch die ugandischen Spieler daran gewöhnt, dass es einen Zeitplan gibt und der auch eingehalten wird. Wer nicht rechtzeitig da ist, fliegt raus. In der kleinen 3-Felder-Halle konnte unser Referee in der ersten Runde problemlos vier Spiele auf drei Feldern ansetzen, weil mindestens einer der Spieler, manchmal auch beide, "on the way" waren, aber eben nicht spielbereit in der Halle.

Mindestens seit 2011 hat unser Referee auch immer wieder versucht, Spieler des 1. BC Nürnberg zur Teilnahme am Turnier zu bewegen. Zu der Zeit waren die Doppel ein absolutes Stiefkind des Turniers, so dass teilweise O50-Spieler bis ins Finale kamen; eine tolle Gelegenheit, mit geringem Aufwand mal für ein Jahr in die Weltrangliste zu kommen. Allerdings hat sich das inzwischen auch in anderen Ländern herumgesprochen, so dass schon 2013, erst recht aber 2014 auch die Doppel international sehr gut besetzt waren. Schade!

Wer nun aber glaubt, die Ugander kriegen nichts auf die Reihe, der irrt. Anders als in Deutschland gibt es in Uganda kein Spiel ohne Schiedsrichter. Schon in den Schulen wird das so gelernt und man erntet regelmäßig ungläubiges Staunen, wenn man von den "deutschen Verhältnissen" erzählt. Also liebe Hobby-Patscher (bis hinauf zur Bayernliga): nehmt euch ein Beispiel!